Misogynie: Wenn die Wut über die Frauen wieder siegt…

LinkedIn Post: Über verpasste Chancen Männer über sexistisches Verhalten aufzuklären und weiterzubilden.

„𝗠𝗶𝗿 𝘁𝘂𝗻 𝗺𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦ö𝗵𝗻𝗲 𝗹𝗲𝗶𝗱, 𝘄𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲 𝗶𝗻 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗪𝗲𝗹𝘁 𝗴𝗲𝗿𝗮𝗱𝗲 𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻 𝗺ü𝘀𝘀𝗲𝗻 …“ – Diesen Satz sagte mir vor Kurzem eine Mutter im Gespräch, nachdem sie mir folgende Geschichte erzählt hatte:

[…] Ihr Sohn wurde auf der Arbeit ins Büro der Chefin gerufen, welche ihn offenbar ausschließlich mit Vorwürfen konfrontierte: Eine Kollegin habe ihm Sexismus vorgeworfen. Es soll um eine Musikauswahl und diverse Aussagen gegangen sein – ohne genauere Angaben. Laut Erzählung hatte er jedoch keine Möglichkeit zum Gespräch oder zur Richtigstellung – noch war ihm irgendeine Schuld bewusst. Anschließend ging er nach Hause und kündigte seinen Job. […]

Ich kann den Vorfall nicht näher beleuchten, da ich nur die Seite der Mutter habe – welche aber durchaus wütend war, u. a. mit Aussagen, dass es eine Zumutung ist, unter Frauen zu arbeiten, man heutzutage „alles zu eng sehen würde“ und somit es für ihre Söhne in dieser „heutigen“ Arbeitswelt immer schwieriger werde.

Was ist die professionelle Perspektive

Zugegebenermaßen musste ich als DEI-Trainerin & Feministin kurz tief durchatmen… Dann habe ich versucht, die Geschichte aus einer weniger emotionalen, und professionellen Perspektive zu betrachten:

🙌 Die Chefin hat im Sinne des Opferschutzes gehandelt und die Beschwerde ernst genommen – was ich grundsätzlich gut und richtig finde!

Doch aus meiner Sicht schien dabei was schiefgelaufen zu sein:

❌ „er hatte keine Möglichkeit zum Gespräch“ – die Kommunikation schien einzig auf Vorwürfen aufgebaut.
❌ „er war sich keiner Schuld bewusst“ – glaube ich ihm sogar, da er vermutlich nicht die Perspektive der Kollegin bzw. von Frauen kennt.
❌ „er hat gekündigt“ – sprich, die Wut und das Unverständnis bleiben beim Sohn wie bei der Mutter – am Ende sind wieder „die Frauen“ schuld.
➡️ Hinzu kommt personeller Verlust mit wirtschaftlichen Nachteilen – ganz zu schweigen vom Ruf des Betriebes!

Sprich: Aus meiner Sicht hat das Unternehmen keine echte Verantwortung übernommen – „man hätte ja was gesagt“ und der Rest wird unter den Teppich gekehrt.

Fehlanzeige einer wirklichen Lösungstrategie – sowie die Chance zu Lernen

🔎 Zu empfehlen wäre ein ordentliches, strukturiertes Konfliktgespräch gewesen, sowie sofortige Maßnahmen die Teams diskriminierungssensibel zu schulen.

💡 Ein gezieltes & verpflichtendes (!) Schulungsangebot wäre für den Sohn sowie für alle weiteren Mitarbeitenden die Chance gewesen, einen Perspektivwechsel einzunehmen, etwas zu lernen und gemeinsame Regeln zu definieren.

❗ Meiner Meinung nach ein WIN-WIN – für Betrieb wie Gesellschaft.

Doch schade: Chance verpasst – und die Wut siegte!

❓ Was denkt ihr darüber, wie hätte man noch lösungsorientierter agieren können?

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